Die französischen Grenadiere der Alten Garde

Versuch einer Typologie zur Napoleonischen Zeit

Irgendwann versuchen sich die meisten Sammler einen Überblick über ein von Ihnen bevorzugtes Sammelgebiet zu verschaffen. Das kann eine Epoche oder ein bestimmtes Sujet sein. In zwei bekannten Fällen mündet dieses Unterfangen sogar in gelungenen Monographien wie bei Herrn Giesler mit seinem Buch "Römer in Zinn" oder Herrn Doutrelepont mit dem Werk "Fahrzeuge in Zinn".

Handelt es sich hier noch um vergleichsweise überschaubare Bereiche, fehlen derartige Untersuchungen zu umfangreicheren Sammelgebieten noch vollständig. So existiert für das Sammelgebiet des Verfassers keine ähnliche verwendbare Übersicht. Auch deshalb trifft wohl jeder Sammler auch nach etlichen Jahren oder Jahrzehnten des Sammlens noch auf Figuren "seines" Gebietes, von deren Existenz ihm nichts bekannt war, obwohl sie seit Jahrzehnten existierten.

Wollte man das für die Napoleonische Zeit leisten, was Herr Giesler für die "Römer" zusammengetragen hat, würde ein wohl tausende Seiten dickes Werk entstehen, das zudem einige Jahre intensiver Arbeit erforderte. Darüberhinaus würde der Umfang allein schon den Nutzen in Frage stellen. Deshalb hat der Verfasser entgegen dem Anspruch, den der Titel absichtsvoll suggeriert, keineswegs die Absicht derartiges zu leisten. Nachfolgend soll eine höchst subjektive Auswahl zu einem bestimmten Beispiel vorgestellt werden, die hoffentlich geeignet ist, eine sinnvolle Hilfestellung zu geben.

Die wohl bekannteste und am häufigsten dargestellte Einheit der Napoleonischen Zeit und geradezu ein Symbol ihrer Epoche sind die französischen Grenadiere der alten Garde. Diese Tatsache läßt sich ohne Einschränkung auch auf den Umfang ihrer Darstellung als Zinnfigur übertragen. Es gibt gut fünfhundert (sic) verschiedene Zinnfiguren, die diese Einheit darstellen. In anbetracht der geringen Stärke dieser Einheit ist dies immerhin ein relevanter Prozentsatz der tatsächlich einmal vorhandenen Zahl der Soldaten.

Der Versuch des Verfassers diese Einheit mit größerer Typenvielfalt darzustellen, führte zu einer kritischen Untersuchung der existierenden Figuren. Generell lässt sich feststellen, dass es vier "Grundtypen" von Figuren gibt ,die nur beschränkt kombinierbar sind.

Da wären zunächst die klassischen "Spielzugtypen" des 19. Jahrhunderts in "28mm" Größe, repräsentiert vor allem durch die Offizine Heinrichsen und Allgeyer. Meine Zählung ergab allein gut 160 verschiedene Typen der Grenadiere der alten Garde, die von Fa. Heinrichsen bis 1930 hergestellt worden sind. Mit einer Ausnahme werden diese Figuren nicht Gegenstand der weiteren Betrachtung sein. Vielleicht die Hälfte dieser Typenzahl wird an Figuren "Norddeutscher Größe" d.h. von Rieche, Wegmann und anderen herausgegeben worden sein. Auch diese Figuren stellen zu recht ein eigenständiges Sammelgebiet dar und sollen hier nicht näher untersucht werden.

Schließlich gelangt man zu der "klassischen" Zinnfigur in 30mm Augenhöhe, wie sie seit ca. 1930 hergestellt wird. Diese wird im Folgenden näher vorgestellt. Endlich gibt es - ob dies den Herausgebern bewusst ist, weiß der Unterzeichner nicht - neuere Figuren, die dieses Maß so erheblich überschreiten, dass die Figuren nicht mehr wirklich zu der klassischen Größe passen. Auch diese Figuren werden ausser Betracht gelassen.

Leider ist zu konstatieren, dass auch innerhalb der "klassischen" Zinnfiguren die stilistischen Unterschiede so erheblich sein können, dass Figuren - vom Einsatz in Großdioramen einmal abgesehen - nicht "nebeneinander" einsetzbar sind. Vor allem die letztgenannte Ursache führt dazu, dass trotz vieler Serien der Kombinierbarkeit Grenzen gesetzt sind.

Nach dieser Vorrede also zu der eigentlichen Auflistung. Um eine Übersichtl zu gewährleisten, werden die Figuren jeweils als Serie oder Themenbezogen vorgestellt. Ein Link führt Sie aber jeweils zu einer detaillierteren tabellarischen Auflistung, die jede einzelne Figur mit Fußbrettnummer - soweit vorhanden - bezeichnet.
1. BRANDT - OCHEL
Gravur Sixtus Maier; Zeichnung Fritsch/Rousselot

Herausgegeben ca. 1935

GB 201 - 239

35 Figuren (4 Nummern nicht besetzt)

Diese bekannte Serie stellt die Garde Grenadiere bei Waterloo dar .

Sie enthält Figuren für ein Karree und für den Angriff. Obwohl die Figurenzeichnungen von Fritsch (ab)gezeichnet wurden, ist aufgrund "typischer" Posen Lucien Rousselot unzweifelhaft der eigentliche Autor der Serie.

Leider fehlen bei der Serie lebende Offiziere (vier fallende Offiziere sind vorhanden) und Trommler (ein fallender und ein toter sind vorhanden ) sowie Sappeure (ein verwundeter ist vorhanden). Ein schönes Detail stellen hier die drei verschiedenen Modelle von Wasserflaschen dar, die die Figuren tragen. Denn ein "offizielles" Modell fehlte in jenen Tagen.

Diese Figuren der Fa. Ochel sind derzeit leider nicht unmittelbar erhältlich. Die Serie ist z.T. aber in Neugravur bei B&S zu beziehen (Gravur Steffen Jahn).

2. THIEL
Gravur Sixtus Maier; Zeichnung Fritsch

T 503 - 509 7 Figuren;

Diese Figuren in frontaler Haltstellung gehören zu einer Serie, die die Begegnung Napoleons mit dem 5.Linieninfanterieregiment nach seiner Rückkehr von Elba darstellen soll. Sie ergänzen die Brandt-Serie sehr gut. Der Pfeifer auf dem Bild rechts gehört zu der Brandt-Serie. Ein dazu gehöriger frontal stehender Offizier und ein Fahnenträger sind jedoch weniger gut gelungen (o.Abb.).

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